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02. September 2026

Wenn ein Raum offen ist

IntegrationLesezeit: 2 minGeschrieben von Islam Alijaj

Dass ein Mann namens Islam (ich) in einer Kirche (Peterskapelle Luzern) predigt, ist kein Gag. Es ist ein Zeichen. Es zeigt, dass Räume Haltung haben. Sie entscheiden darüber, wer sprechen darf, wer gehört wird und wessen Perspektive als legitim gilt.

Die gesellschaftliche Stimmung hat sich verändert. Der Ton ist rauer geworden. Grenzen werden enger gezogen. Aussagen, die lange als untragbar galten, werden wieder offen gemacht. In politischen Debatten tauchen Begriffe auf, die Menschen reduzieren. Menschen mit Behinderungen, mit Migrationsgeschichte oder mit einem anderen Lebensentwurf werden wieder als Problem beschrieben.

Das bleibt nicht folgenlos. Sprache formt Realität. Wer ständig als Kostenfaktor bezeichnet wird, spürt das im Alltag. In Gesprächen mit Behörden. In der Arbeitswelt. In der Art, wie über das eigene Leben gesprochen wird. Zugehörigkeit wird zur Bedingung, nicht mehr zur Selbstverständlichkeit.

Wer mit einer Behinderung lebt oder einen Namen trägt, der nicht in jedes Schema passt, kennt diese Erfahrung. Das eigene Dasein muss erklärt werden. Die eigene Existenz wird bewertet. Dabei geht es nicht um Sonderbehandlung, sondern um Würde. Um das Recht, selbstverständlich Teil dieser Gesellschaft zu sein.

Jeder Mensch bringt Potenzial mit. Nicht nur jene, die sichtbar erfolgreich sind. Auch jene, deren Weg komplizierter verläuft. Gesellschaften, die dieses Potenzial ignorieren, verlieren mehr als individuelle Chancen. Sie verlieren Zusammenhalt.

Inklusion wird dabei oft falsch verstanden. Sie gilt als freundliche Ergänzung oder als soziales Projekt. Tatsächlich ist sie ein Menschenrecht. Sie betrifft alle Lebensbereiche. Wohnen, Arbeit, Bildung, Mobilität, Gesundheit und politische Teilhabe lassen sich nicht voneinander trennen. Wer Inklusion auf einzelne Aspekte reduziert, verfehlt ihren Kern.

Das zeigt sich aktuell im Entwurf für ein Inklusionsgesetz. Der Vorschlag bleibt hinter den Erwartungen vieler Betroffener zurück. Er setzt Schwerpunkte, lässt aber zentrale Fragen offen. Ein wirklicher Wandel braucht mehr als Verwaltung. Er braucht den Mut, bestehende Strukturen zu verändern und Rechte verbindlich zu machen.

Trotzdem ist Resignation keine Option. Hoffnung ist kein Gefühl, sondern eine Haltung. Sie zeigt sich im Dranbleiben. Im Einfordern von Rechten. Im Weigern, sich mit dem Status des Geduldeten abzufinden. Hoffnung entsteht dort, wo Menschen nicht verstummen.

Räume spielen dabei eine entscheidende Rolle. Kirchen, Parlamente und öffentliche Orte prägen, wessen Stimme Gewicht hat. Wenn sie offen sind, ermöglichen sie Dialog. Nicht belehrend, sondern ernsthaft. Nicht von oben herab, sondern auf Augenhöhe.

Vielleicht beginnt Inklusion genau hier. Im Gespräch. Im Zuhören. Im gemeinsamen Aushalten von Unterschiedlichkeit. Eine Gesellschaft, die Platz gibt statt nur Platz zu machen, entscheidet sich bewusst für Würde. Für alle.

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